BACKGROUND

BEWEGUNG UND TRANSFORMATION

Zwischen Fotografie und Film erschaffen KOSCHIES eine neue, innerhalb eines Zeitkontinuums angesiedelte Realität. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kameras verfügen die dabei verwendeten Spezialkameras über keinen mechanischen Verschluss. Die Aufnahme erfolgt durch einen permanent geöffneten schmalen Schlitz und wird in einer konstanten Bewegung „nahtlos“ belichtet.

Alles Unbewegte, Ruhende wird auf den Bildern von KOSCHIES nicht oder nur bis zur Unkenntlichkeit deformiert dargestellt; es erscheint als durchgehender Streifen oder als Linie. Dahingegen wird alles, was sich vor dem Schlitz analog zu der Aufnahmegeschwindigkeit der Kamera bewegt, figurativ abgebildet – als Sequenz dessen, was den Aufnahmeschlitz passiert hat. Aus einem zeitlichen Nacheinander wird ein räumliches Nebeneinander.

 

DIE CHRONISTISCHE PERSPEKTIVE

Die Arbeiten von KOSCHIES sind Sichtbarmachungen der vierten Dimension. Aufnahmen, die auf den ersten Blick anmuten wie fotografisch festgehaltene statische Augenblicke, verbildlichen tatsächlich kontinuierlich fließende Zeit. Es offenbaren sich ganze Zeiträume in der buchstäblichen Bedeutung des Wortes.

Selbst vordergründig vertraut wirkende Motive hinterfragen bei näherer Betrachtung die gewohnte dreidimensionale Wahrnehmung. Das „Lesen“ der Bilder bedingt eine Loslösung von der rein räumlichen Sichtweise.

Während herkömmliche Fotografien zumeist nur einen kurzen Zeitsplitter dokumentieren und eine Szene in Höhe und Breite abbilden, bewahren die von KOSCHIES mit Schlitzkameras aufgenommenen Bilder zwar das räumliche Höhenmaß, ersetzen jedoch die Breite durch die Zeitachse. Die horizontale Ausdehnung wird zur chronistischen Perspektive.

 

INSZENIERUNGEN IM ZEITRAUM

Die permanenten Schwebezustände der Dargestellten, die Dopplungen und Verformungen basieren nicht auf digitaler Manipulation. Dies gilt gleichermaßen für die Schatten, die zum Teil in verschiedene Richtungen fallen oder sich anders verhalten als die zugehörigen Personen. Die verfremdenden Elemente sind bedingt durch den von KOSCHIES gestalterisch instrumentalisierten Einfluss der Zeit bei der Aufnahme selbst und dokumentieren deren Verlauf.

Inhalt und Ästhetik der Bilder beziehen sich auf die Simultanität sowie die Dynamik des Futurismus; sie verweisen darüber hinaus auf surrealistische Vorbilder und die partiellen Deformationen in den Werken Francis Bacons.
In vielen Werken dominiert die nun als „leere“ statische Fläche wahrnehmbare Zeit. Deren Übermacht relativiert die menschliche Größe und erzeugt eine ausgeprägte, manchmal befremdliche Atmosphäre der Leere und der Einsamkeit.

 

E. Schumann

Alles Werden beruht auf Bewegung,
denn auch Raum ist ein zeitlicher Begriff.

Paul Klee